13. April 2011, Generalanzeiger

Wilde Kamelherden sind ihre Begleiter

Von Frank Vallender

Bonn. Kriegerische Auseinandersetzungen, internationale Konflikte und das Wetter haben die beiden Bonner Fahrrad-Abenteurer Gunda Werner-Burggraf und Wolfgang Burggraf in den vergangenen Monaten immer wieder gezwungen, ihre Route zu ändern.

Kamele in Usbekistan: Gunda Werner-Burggraf und ihr Mann durchqueren zurzeit die unendlichen Weiten des Mittleren Ostens. Foto: privat

Und nicht zuletzt die Atomkatastrophe in Japan hält sie davon ab, ihr ursprüngliches Ziel Tokio anzusteuern. „Stattdessen fahren wir nach Korea und nehmen dort die Fähre nach Wladiwostok“, schreiben die beiden Theologen und Konfliktmanager per E-Mail an den General-Anzeiger.

Wie berichtet, war die beiden am 1. August vergangenen Jahres von Bonn aus auf ihren Fahrrädern aufgebrochen. Am Ziel ihrer Tour ist das Ehepaar noch längst nicht. Insgesamt will das Ehepaar in 400 Tagen rund 20 000 Kilometer zurücklegen.

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Zurzeit hängen die beiden in Dushanbe, der Hauptstadt Tadschikistans, fest, „weil wir auf das chinesische Visum warten und der Schnee das Pamirgebirge fest im Griff hat“, schreibt die 40-jährige Gunda Werner-Burggraf. „Dass wir überhaupt erst nach dem 26. März in Dushanbe eintrafen, liegt an den Wetterbedingungen in der turkmenischen Karakumwüste, wo es minus 15 Grad waren, und der Grenzsperrung zwischen Usbekistan und Tadschikistan.“

Seit Oktober fahren die beiden Bonner dem Winter davon und haben dafür immer wieder ihre Route geändert. Und das schon in der Türkei: „Anstelle von Ostanatolien sind wir der traditionellen Seidenstraße über Bagdad gefolgt“, berichtet der 50-jährige Wolfgang Burggraf, 50. „Die Wüsten haben uns am meisten beeindruckt“, schreibt Gunda Werner-Burggraf.

„Gerade der persische Teil der Seidenstraße von Teheran nach Mashad, der einzige Teil, wo alle Seidenstraßen auf einer Route laufen, ist von der Landschaft und auch den Menschen her tief beeindruckend. Dort ziehen wilde Kamelherden an alten Karawansereien vorbei, und in den Dörfern wird einem Brot geschenkt oder aber auch ein frisch gegrillter Kebab vom Beifahrer eines Lastwagens.“

Teheran, wo die beiden vier Wochen mit dem Warten auf verschiedene Visa verbrachten, hat sie als Millionenmetropole mit ihren 4 000 Meter hohen Bergen beeindruckt. Weniger beeindruckt waren sie von der staatlichen Zensur im Iran: „Es ist uns nur durch Tricks und Umwege gelungen, unseren Blog zu veröffentlichen und mit Twitter zu arbeiten.

Selbst die Wettervorhersage war oft zensiert.“ In punkto Gastfreundschaft war das Ehepaar besonders von Albanien und vom kurdischen Teil des Irak angetan: „In beiden Ländern verging kein Tag, an dem wir nicht eingeladen oder gefragt wurden, ob wir Hilfe brauchen. Aber auch in Teheran sind wir fast jeden zweiten Tag von Menschen zum Essen eingeladen worden und haben viel vom Land, seiner Geschichte, Kultur und gegenwärtige Lage gelernt.“

Zu den bedrängendsten Erfahrungen ihrer Tour gehören Steine werfende Kinder in Ostanatolien, Minenfelder im Irak, falsche Polizisten im Iran und betrunkene Männer in Zentralasien. „Das Radfahren selbst ist bei einer solchen Reise die leichteste Aufgabe“, schreibt Gunda Werner-Burggraf.

Zum Grund ihrer Fahrradtour sagt ihr Mann Werner: „Da wir beide viele Jahre beruflich Friedens- und Bewusstseinsarbeit im kirchlichen und politischen Bereich gemacht haben, ist unsere Radreise auch eine Reise der Verständigung, Erkundung und Orientierung in Ländern, deren Situation schwierig und deren Teilhabe an Reichtum und Ressourcen sehr begrenzt ist.“

Auch sei die Tour, für die sie ihre Arbeitsstellen gekündigt hatten, eine Überprüfung der eigenen Arbeitsideale und Grundlagen. Bevor das Paar für den Rückweg vom russischen Wladiwostok aus die Transsibirische Eisenbahn benutzen wird, muss es allerdings noch das Reich der Mitte durchqueren. China ist eine Herausforderung, hat das bevölkerungsreichste Land der Erde doch eine Ost-West-Ausdehnung von 4 200 Kilometern.

Artikel vom 13.04.2011

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www.silkroad-project.eu
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