29. September 2011, Generalanzeiger

427 Tage im Fahrradsattel

Von Sophie Schimansky

Bonn. Aus den 400 Tagen sind 427 geworden. Das ursprüngliche Ziel Tokio hat sich wegen der Atomkatastrophe von Fukushima in den Heiligen Berg Fuji verwandelt. Doch wenn man wie Gunda Werner-Burggraf und Wolfgang Max Burggraf 15 000 Kilometer mit dem Fahrrad durch Europa und Asien fährt, passieren so einige abenteuerliche Dinge.

An der Steilküste am chinesischen Meer: Gunda Werner-Burggraf genießt den Ausblick. Foto: privatAn der Steilküste am chinesischen Meer: Gunda Werner-Burggraf genießt den Ausblick. Foto: privat

Die beiden Bonner Theologen sind über den höchsten Pass der ehemaligen Sowjetunion gefahren und zwei Wochen dem Grenzfluss zwischen Tadjikistan und Afghanistan gefolgt.

Sieben Reißverschlüsse, 28 Platten und unzählige Stunden im Sattel später sind sie nun am Ziel angelangt. „Wir haben unendliche Gastfreundschaft erlebt und vieles gesehen, was unsere Welt auf den Kopf stellt“, sagen beide. Das Ankommen in der alten Welt am 3. Oktober wird für die beiden eine Herausforderung.

Hinter den Burggrafs liegen 427 Tage Radeln, stundenlanges Schieben der Räder, Schlafplatz suchen und sich durch den Bürokratie-Dschungel fremder Länder schlagen. Natur, Militär und Politik durchkreuzten manche Pläne. „In Usbekistan standen wir vor einer geschlossenen Grenze und mussten so wieder ganz in den Süden fahren“ – was das Ehepaar wieder mehrere Tage und viel Energie kostete, schreibt Gunda Werner-Burggraf in einer Email an den General-Anzeiger.

Ihr Weg von Bosnien bis nach Tadjikistan ist immer wieder von Landminen gepflastert. Oft ist die Straße so schmal, dass zwischen den Minen rechts und links der Straße kaum Platz bleibt, um das Zelt sicher aufzustellen. Über Wochen geht das Fahren auf einer Höhe zwischen 3 900 und 4 600 Meter nur langsam voran. „Wir konnten streckenweise nur schieben“, erzählt Wolfgang Max Burggraf. In dieser Höhe sind Wintereinbrüche keine Seltenheit.

Zu essen gibt es nur Brot und Yakbutter. Doch die Strapazen lohnen sich. „Wenn wir morgens unseren Kopf aus dem Zelt stecken und vor uns liegt die Hochebene mit ihren Bergen und dem klaren Himmel, wollen wir genau hier sein.“

In China endet die geplante Reise abrupt. Die beiden werden für die Visumsverlängerung von einer Stadt zur anderen geschickt. Das geht mit dem Rad nicht, sie entscheiden sich für den Zug, verlassen China innerhalb von 30 Tagen.

Es geht nach Shanghai. Die Umstellung von den Bergen in die Metropole ist anstrengend. Dieses Mal summen Kopf und Ohren wegen der Lautstärke und des Lichts, nicht wegen der Höhe. In Japan haben sie nun viel Zeit und erfahren den Süden des Landes. Tokio werden sie nicht ansteuern, eine Konsequenz aus der Nuklearkatastrophe.

So fällt die Entscheidung, den Berg Fuji zum Ziel zu machen. Von dort geht es bald per Flugzeug zurück nach Amsterdam. Und dann noch einmal mit dem Rad nach Bonn, wo sie am Montag, 3. Oktober, gegen 14 Uhr an der Beethoven-Skulptur vor der Beethovenhalle eintreffen wollen, 14 Monate nach dem Start.

Artikel vom 29.09.2011

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